Wer wollte Deutschland?
In vorhergehenden Videos berief ich mich darauf, daß das Deutsche Reich, der Deutsche Bund, oder auch kurz Deutschland, von den Großmächten gewollt war. Diese Äußerung wurde häufig mißverstanden oder gar für nicht zutreffend gehalten.
Manche wissen vielleicht, daß 1806 das heilige Römische Reich Deutscher Nation von Napoleon aufgelöst wurde. Er konnte dies tun, da es durch die französischen Armeen erobert wurde. Es war das Recht des Siegers.
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Nachdem Napoleon allerdings selber nach der Völkerschlacht von Leipzig zum Verlierer wurde, kam es vom September 1814 bis zum 8 Juni 1815 zum Wiener Kongress, bei dem die Entende; die Alliierten, über eine Ordnung in Europa berieten, die nach den napoleonischen Kriegen geschaffen werden mußte. Ein einhelliger Beschluß war die Bildung eines Gegenparts zu Frankreich, welches nicht erst unter Naoleon zeigte, daß es bei Gelegenheit die Nachbarstaaten angreifen würde. Es war auch nicht erst Ludwig XIV, der Sonnenkönig, der die heutigen Niederlande Frankreich einverleiben wollte (1672, von den Niederländern als „Rampjaar“ bezeichnet). Dem Südwesten Deutschlands erging es nicht besser als den Holländern im Rampjaar, sondern eher schlimmer, denn während, und auch nach dem verheerenden dreißigjährigen Krieg kam es immer wieder zu Angriffen französischer Armeen. Es dauerte stets, bis das Reich imstande war entsprechende Truppen dort hin zu entsenden, um die Franzosen zu vertreiben. Diese brandschatzen und mordeten in dieser Zeit ungehemmt; so wie es auch Holland 1672 widerfuhr. Aus dieser Zeit mag noch der Spruch kommen “schaffe, schaffe, Häusle baue“, denn was sonst sollten die Menschen machen, die in Schwaben, Baden, Saarland etc. bleiben wollten. Es sei denn, sie wanderten aus dieser Region ab, wie beispielsweise die Donauschwaben, deren Wegzug wohl auch nicht ganz freiwillig geschah.
Es ist also nachvollziehbar, daß auf dem Wiener Kongreß eine Ordnung für ein künftiges Europa geschaffen werden mußte, wobei weitere Versuche Frankreichs, sich auf Kosten der Nachbarn auszudehnen, eine Macht entgegengestellt wird, die imstande sei, dies zu verhindern.
Das ist der Grund und die Bewandtnis, was zur Bundesakte von 1815 führte und weiterführend in der Wiener Schlußakte seine Vollendung erhielt:: Die Schaffung des Deutschen Bundes!
Die Funktion des Deutschen Bundes ist also die Eindämmung der Machtausbreitung Frankreichs auf dem europäischen Festland. Aus 39 Einzelstaaten sollten zunächst souveräne Staaten werden, die gemeinsam den Deutschen Bund bilden sollten.
Deutscher Bund bis 1866

Die Funktion Deutschlands

Wie nötig dieser Entschluß der Siegermächte war, die zur Schaffung des Deutschen Bundes führte, sollte sich schon bald zeigen.
Es war das Geschick des französischen Abgesandten, Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord, auf dem Wiener Kongress überhaupt zugelassen zu werden als Verhandlungsführer. In der Zeit bis zur Unterschrift unter den letzten Vertrag, am 8 Juni 1815, gelang es ihm sogar, daß Frankreich in den Grenzen von 1789/92 bestehen blieb; also vor Beginn der napoleonischen Kriege. Tatsächlich kam es sogar zu Gebietsgewinnen, denn Frankreich behielt nicht nur seine Kolonien, sondern bekam noch Senegal hinzu.
Hier ereignete sich das Schicksal der Fregatte Meduse´. Dieses Schiff hatte Aussiedler aus Frankreich an Bord, welche die neu hinzugekommene Kolonie besiedeln sollten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Flo%C3%9F_der_Medusa

Es wirkt schon verwunderlich, wieso am 8 Juni 1815 der Abgesandte Frankreiches mit den Siegermächten einen Friedensvertrag abschließen konnte, obwohl zu dieser Zeit wieder französische Truppen in Belgien einmarschierten geführt von Napoleon Bonaparte. Diese unterlagen in der Schlacht von Waterloo den alliierten Truppen. Erst am 18 Juni waren die napoleonischen Kriege vorbei.Königreich Frankreich, Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord war Abgesandter des Königreichs Frankreich und nicht für den Kaiser (Napoleon Bonaparte) und dafür leistete er die Unterschrift. Er war es, der das Legitimitätsprinzip für Staaten aufbrachte. Frankreich habe demzufolge ein legitimes Recht in ausreichender Stärke weiter zu bestehen.
Es muß erwähnt werden, daß er unter Napoleon viele Jahre als Außenminister diente, bis dieser ihn entließ.
Talleyrand

Hundert Jahre später sahen Friedensverhandlungen etwas anders aus, siehe den Vertrag von Versailles.
Überhaupt war die Behandlung Frankreichs vorteilhaft im Gegensatz zum Deutschen Reich 1918-20. Frankreich mischte sich schon bald innerhalb Europas militärisch ein.

Frankreichs militärischen Eskapaden
Zunächst kam es 1818 zum ersten der vier Monarchen Kongresse, dem Aachener Kongress, auf dem der Abzug alliierter Truppen aus Frankreich und eine Minderung der Kriegsschulden beschlossen, von 700 auf 265 Millionen Francs, die Frankreich hätte bezahlen sollen.Auf diesen Kongressen wurde ebenfalls beschlossen gegen die revolutionären Umtriebe vorzugehen, siehe Karlsbader Beschlüsse. Auf dem Veroneser Kongress 1822 kam es zur Intervention in Spanien durch französische Truppen und nur Großbritannien war nicht einverstanden mit diesem Eingreifen. Es ging bei der Intervention um die Wiederherstellung der Macht der spanischen Boubonen, einem französischem Adelsgeschlecht.
Um es noch einmal hervorzuheben: nur sieben Jahre nach dem Ende der napoleonische Krieg drangen wieder französische Truppen in ein Nachbarland ein.

1830, acht Jahre nach dem militärischen eingreifen in Spanien, wurde Algerien okkupiert. Siebzehn Jahre dauerte der Krieg in Algerien. Die Franzosen betrachteten fortan Algerien nicht als Kolonie, sondern zum Mutterland gehörig.
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1839 begann der sogenannte „Kuchenkrieg“. Einem französischen Bäcker geschah es, wie vielen anderen in der Unruhigen Zeit Mexikos seit der Gründung der Republik Mexiko 1824, daß marodierende Truppen seine Bäckerei verwüsteten. Daraufhin verlangte Frankreich von Mexiko 600 000 Pesos Entschädigung (ein Arbeiter verdiente zu dieser Zeit etwa einen Peso am Tag). Mexiko ließ das gesetzte Ultimatum verstreichen und Frankreich entsandte die Flotte, um alle Häfen zu sperren. 1838 erklärte Mexiko Frankreich den Krieg (eine Blockade ist eigentlich eine Kriegserklärung, siehe amerikanischer Bürgerkrieg, wo die Flotte der Nordstaaten die Häfen der Südstaaten blockierte).

1840 Nach einer diplomatischen Niederlage richtete sich das französische Interesse auf die Rheinprovinz. Hier sollten 32 000 Quadratkilometer Land abgegeben werden, die sogenannten linksrheinischen Gebiete. Dieses Land war fünfundvierzig Jahre zuvor von Napoleon Bonaparte erobert und 1815 auf dem Wiener Kongress wieder zurückgegeben worden. Diese „Rheinkrise“ war Anlaß für den beginnenden Franzosenhass.

1856 okkupierte Frankreich Vietnam, welches zu dieser Zeit ein Kaiserreich war. Dies geschah, weil der Kaiser Vietnams kein Interesse am Abschluß von Handelsverträgen mit Frankreich hatte. Es wurde aber nicht nur Vietnam von französischem Militär besetzt, sondern auch Teile Südchinas; die Provinz Tonkin. Fast hundert Jahre lang sollte Vietnam, Laos und Kambodscha französische Kolonie bleiben.
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1859 kam es zum militärischen Auseinandersetzungen mit Österreich. Die Schlacht von Solverino ist Auslöser für das künftige Engagement Henry Dunand´s, welches zur Gründung des roten Kreuz führte. Österreich verlor die Lombardei durch diesen Krieg.

1862 landete eine französische Expeditionsarmee in Mexiko. Der Hintergrund war, daß nach dem Ende des großen Bürgerkrieges in Mexiko das Land derart verschuldet war, sodaß die Rückzahlung der Auslandskredite ausgesetzt wurde. Daraufhin entsandten Großbritannien, Spanien und Frankreich Expeditionsarmeen. Da zur selben Zeit der amerikanische Bürgerkrieg vonstatten ging, erschien die Zeit günstig für Frankreich, Mexiko zu erobern. Als die britischen und spanischen Militärs merkten, daß es Frankreich nicht nur um die Rückzahlung der ausstehenden Kredite ging, zogen diese ihre Truppen ab. Erst 1867 mußten sich die Franzosen aufgrund der heftigen Gegenwehr der Mexikaner aus Mexiko zurückziehen.

1866 Die Rache für Sadowa. War die unverhohlene Kriegsdrohung Frankreichs gegenüber dem Deutschen Reich und es wurde abermals das linksrheinische Gebiet gefordert. Hintergrund war der rasche Sieg Preußens über Österreich im Deutschen Krieg 1866, da Frankreich sich Vorteile erhoffte, die so zunichte gemacht wurden.
Rache für Sadowa
1870 begann dann der deutsch- französische Krieg, bei dem das Bündnis deutscher Staaten innerhalb kurzer Zeit die französische Armee besiegen konnte und Frankreich erneut, nach der Niederlage Napoleon Bonaparte fünfundfünfzig Jahre zuvor, in die Schranken gewiesen wurde. Elsaß- Lothringen, welches nach dem dreißigjährigen Krieg von Frankreich weggenommen wurde, gelangte nun wieder zum Deutschen Reich. Andere deutsche Territorien, die nach dem dreißigjährigen Krieg ebenso von Frankreich vereinnahmt wurden, blieben jedoch französisch.

Emser Depeche

Es gibt die Annahme, daß die Emser Depesche der Grund für eine Kriegserklärung Frankreichs an Preußen gewesen sei. Diese Annahme sollte deutlich hinterfragt werden angesichts der Provokationen Frankreichs spätestens seit 1840, die erste Rheinkrise, und der folgenden.
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Wer diese geschichtlichen Hintergründe berücksichtigt, versteht, warum auf der Wiener Konferenz ein Deutscher Bund von den Großmächten gefordert wurde, denn Frankreichs Machthunger und die Gier nach Land, scheint eine Kontinuität zu sein, ein normales Verhalten von Frankreich mindestens seit Ludwig XIV., dem Sonnenkönig. Im Jahr 1668 beschloss Ludwig XIV., nachdem er zuvor schon einige kleine Ausbauten an dem ursprünglichen Schloss hatte vornehmen lassen, dort seinen Regierungssitz entstehen zu lassen. In den nächsten 30 Jahren entstanden in teils waldigem, teils sumpfigem Gebiet ein Schloß und Parkanlagen, die auch noch Jahrhunderte später ein Publikumsmagnet sind. Es wurde zum Symbol des Absolutismus.
1815, am 1. Juli, fand in Versailles ein Gefecht im Rahmen der Befreiungskriege zwischen Preußen und Franzosen statt.
1871, am 18 Januar, wurde der preußische König Wilhelm I. Im Schloß Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Man könnte hier einen symbolischen Akt vermuten, der dem französischen Absolutismus seit Ludwig XIV. Ein ende setzen sollte.
Die Gegenwärtige Entwicklung, das französische Engagement in Nahen und mittleren Osten sogar offen mit Militär, läßt erahnen, daß die alten Geister leider nicht tot sind, sondern möglicherweise eine Renaissance erleben könnten.

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